Gute Konfliktlösungen

Konflikte gehören zum Alltag – entweder Sie begegnen ihnen, oder Sie sind selber einer.

Inhalt: 

  1. Kampf oder Flucht
  2. Definieren Sie zuerst die Konflikt-Art
  3. Definieren Sie ihren persönlichen Konfliktstil
  4. Konflikte sind hilfreich
  5. Konfliktfähigkeit ist eine Schlüsselkompetenz
  6. Kein Dinosaurier sein
  7. Sunset-Rule
  8. Recht haben ist nicht alles

1. Kampf oder Flucht

Niemand mag Konflikte, schade eigentlich. Denn Konflikte sind immer auch Chancen zur Veränderung und helfen, neue Wege zu entdecken. Es liegt an Ihnen, ob Sie die Chance fixieren, oder ob Sie im Konflikt nur destruktive Kräfte orten. Konflikte gab es schon immer. Stammesgeschichtlich werden uns in Konflikten und anderen Stresssituationen zwei Strategien nahe gelegt - Kampf oder Flucht. Mit keiner dieser Strategien wird ein Konflikt wirklich gelöst. Immer wird jemand unter dem Ergebnis dieses Konfliktes leiden.
Bei der Flucht wird der Konflikt gemieden. Die Flucht vermittelt den falschen Eindruck, das Problem sei aus der Welt geschaffen. Es ist ja nicht mehr präsent. Bei dieser Art der Konfliktlösung bleiben die notwendigen Änderungen aus. Die Gefühle und die Ängste der betroffenen Personen werden sich kaum verbessern. Der Konflikt wird höchstens auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Kampf oder die Anwendung von Gewalt ist auch keine Konfliktlösung. Die Auseinandersetzung scheint vordergründig beendet, aber nur der unterdrückende Konfliktpartner wird mit der Lösung zufrieden sein. Die Gegenseite wird mit der aufgedrängten Lösung kaum einverstanden sein. Beim Kampf, wie auch bei der Flucht, wird das kreative Potenzial einer Auseinandersetzung unterdrückt.

Hier ein paar Tipps zum Umgang mit Konflikten.

2. Definieren Sie zuerst die Konflikt-Art

3. Definieren Sie ihren persönlichen Konfliktstil

Menschen haben unterschiedliche Muster mit denen sie auf Konflikte reagieren. Je nach Konfliktsituation, sind aber auch unterschiedliche Konfliktstile nötig. Erinnern sie sich an die letzten fünf Konflikte. Wie haben sie reagiert?

  • Sie sind nachgiebig, unterwerfen sich und verzichten auf eigene Ziele. Sie achten darauf, Meinungsverschiedenheiten nicht hochzuspielen und neigen dazu, aufkommende Spannungen sofort zu glätten und zu harmonisieren.
  • Sie streben konsequent nach gemeinsamen Lösungen, suchen kreatives Miteinander und erstreben trotz Widerständen eine allseits akzeptabel Lösung.
  • Sie flüchten vor der Situation, vermeiden jede Art von Spannung, sie ziehen sich lieber zurück und verdrängen ihre eigenen Gefühle. Sie tun lieber nichts als etwas Falsches.
  • Sie erwarten von sich selber, dass sie sich durchsetzen, sie erzwingen ihre Lösung – notfalls mit Ich oder Du, mit Macht oder gar Gewalt.

Bevor sie einfach sagen, diese Schwarz-weiss-Stile sind nichts für sie, denken sie einfach über die Stärken und Schwächen der unterschiedlichen Stile nach. Gute Lösungen sind dann in Sicht, wenn alle von ihren Maximalanforderungen etwas abrücken.

4. Konflikte sind hilfreich

  • Konflikte zeigen, wo kritische Punkte sind und was nötig ist, um sie zu entschärfen.
  • Konflikte zeigen, dass etwas nicht mehr so funktioniert, wie es sollte. Veränderungen sind nötig, um Gewohnheiten, Einstellungen, Können oder Wissen neu zu definieren.
  • Konflikte lösen den nötigen Druck aus, um Probleme aktiv anzugehen. Ohne Konflikte fehlt oft der Mut – obwohl gerade ungeregelte Konflikte besonders gefährlich sind.
  • Konflikte bringen zwischenmenschliche Beziehungen auf den neusten Stand. Man erfährt, was ärgert, stört, verletzt und sucht Wege, auch unter schwierigen Bedingungen zusammen zu arbeiten.
  • Konflikte sind Lern-Center. Zunächst fremde Ansichten können durchaus neugierig machen und führen dazu, sich mit neuen Themen zu befassen und neue Einsichten zu gewinnen.

5. Konfliktfähigkeit ist eine Schlüsselkompetenz

Führungskräfte mit niedriger Konfliktfähigkeit laufen Gefahr, sich selber oder andere zu überfordern. Der dabei entstehende Stress führt nicht selten zu gesundheitlichen Problemen. Die Phase gleicht oft einem Raubbau an Leib und Seele. Ein anderes Wort für Konfliktfähigkeit ist Konfliktvermögen und impliziert das Verb «mögen». Konflikte mögen bedeutet, die positive Kraft des Konfliktes zu nutzen – nicht als Feind, als Gegner sondern als Freund, als Helfer. Menschen die Konflikten mutig begegnen sind Gewinner. Konflikte berühren uns in der Regel unangenehm. Es gibt Aufruhr, stört die innere und äussere Harmonie. Wenn wir Konflikte nicht mögen, verdrängen wir sie. Nur – sie lassen sich nicht einfach so verdrängen sondern entwickeln ein Eigenleben – eine Dynamik. Unbearbeitete und verdrängte Konflikte richten meist – im Verhältnis zum Anlass – unverhältnismässigen Schaden an. Deshalb empfiehlt es sich, Konflikten mutig zu begegnen und sie anzugehen bevor sie uns überrollen.

6. Kein Dinosaurier sein

Haben Sie sich schon einmal vorgestellt, wie der letzte Dinosaurier durch den Sumpf wanderte, der Schlamm langsam um seine Beine zu frieren begann, und wie er ziemlich dumm aus der Wäsche schaute und sich fragte, wann wohl die Dinge endlich wieder normal würden. Nun wir wissen es, die Dinge wurden nicht mehr normal und die Eiszeit überlieferte uns keine lebende Dinosaurier. Um die kommunikative Eiszeit zu überleben, sollten wir in Bewegung bleiben und schauen, wie wir das Einfrieren von Beziehungen verhindern können. Ich weiss, das Beispiel hinkt, und trotzdem lohnt es sich, darüber nachzudenken.

7. Sunset-Rule

In der Bibel gibt es einen sehr guten Hinweis, wie Konflikte bereits beim Entstehen konstruktiv angegangen werden können. Sie finden diesen Text im Neuen Testament, im Buch Epheser 4,26 und 27. «Wenn ihr zornig seid, dann macht es nicht noch schlimmer, indem ihr unversöhnlich bleibt. Lasst die Sonne nicht untergehen, ohne dass ihr euch vergeben habt. Gebt dem Teufel keine Chance, Unfrieden zu stiften.» Diese Sunset-Rule kann auch als Sunrise-Rule gepflegt werden, manchmal ist es richtig, eine Nacht vergehen zu lassen. Was die Bibel hier anschneiden will ist einfach: «Lass negative Gefühle nicht lange anstehen – je länger du nichts dagegen unternimmst, umso schwieriger wird es, aus der Negativ-Spirale auszubrechen».

8. Recht haben ist nicht alles

«Jeder Streit fängt damit an, dass einer Recht haben will und einen zweiten findet, der auch Recht haben will.» (Blumenthal). Die Klimakurve eines Gesprächs oder eines Konflikts gleicht oft einer Fieberkurve. Irgendwann führt das Fieber zu irreparablen Schäden. Um Konflikte wirklich konstruktiv angehen zu können, braucht es ein positives Gesprächs- und Beziehungsklima. Klimakiller sind: Rechthaberei, Überlegenheit, Kontrolle, Druck, Ängste, Verschlossenheit, Floskeln und vieles mehr. Nicht die Worte wirken, sondern die versteckten Absichten die nicht in Worte gefasst werden. Wer in ein Konfliktgespräch geht und zwingend als Sieger herauskommen will, wird kaum eine gute Kommunikationsebene finden. Helfen Sie ihrem Gegenüber, ohne Gesichtsverlust aus dem Konflikt zu kommen.

© Verena Birchler

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