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Buchtipp

«Das Harmonie-Dilemma» – Jeder Konflikt verdient eine Chance.

von Verena Birchler
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Besser kommunizieren!

Tipp 1: Das Wort verwundet leichter als es heilt.

«Hätte ich nur nicht» – kennen Sie diesen Satz von sich selber. Ein Wort nur, ein Satz, eine Mimik und alles im falschen Zeitpunkt am falschen Ort im falschen Ton und schon haben Sie einen Menschen verletzt. Meistens sind es Kleinigkeiten die verletzen. Echte Konflikte werden normalerweise schnell wieder in Ordnung gebracht. Kleinigkeiten lässt man stehen, denkt von sich selber: «Ach sei mal nicht so empfindlich». Aber nach einem halben Jahr wird dem Partner, der Chefin, den Freunden im Rabattmarken-Büchlein-System alles aufgelistet was da mal so nebenbei verletzt wurde. Für den Empfänger sind solche Aussagen im Nachhinein oft nicht mehr nachvollziehbar. Also, Unstimmigkeiten sofort bereinigen – bevor eine grosse Lawine entsteht und wichtige Beziehungen zerstören können.

Tipp 2: Wer gut reden will, muss erst gut denken. (Ital. Sprichwort)

Spannend dass dieses Sprichwort ausgerechnet aus Italien kommt. Italien – das Land der Schnellredner, Vielrednerinnen und Meister der nonverbalen Kommunikation. Auch wenn Bernhard Turnheers neuestes Buch heisst: «Wie soll ich wissen was ich denke, bevor ich höre was ich sage» ist der umgekehrte Weg der hilfreichere. Wenn Sie in einer Konfliktsituation ein klärendes Gespräch suchen, hilft oft eine ganz einfache Formel: Sagen Sie soviel wie nötig und sowenig wie möglich. Manchmal muss man unangenehme Dinge sagen. Aber müssen es gleich zehn sein? Und lassen Sie ihrem zu kritisierenden Gegenüber die Chance, sein Gesicht zu wahren – Sie wissen ja, win-win-Situation schaffen.

Tipp 3: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Ich möchte diese Aussage der Vollständigkeitshalber noch ergänzen mit: Eine Geschichte, eine Metapher sagt mehr als tausend Worte. Jesus Christus, einer der begnadetsten Redner, hat oft in Bildern, Metaphern oder Geschichten gesprochen. Er wusste, dass auf diesen Kommunikationsebenen Gefühle im Menschen angesprochen werden. Und wer mit dem Herzen hört, versteht die Botschaft, den Inhalt hinter den Worten besser als nur auf intellektueller Ebene. Versuchen Sie Ihr Gegenüber mit einem Bild von Ihrem Anliegen zu überzeugen. Die Zeit der Lohnverhandlungen steht vor der Tür, wie würden Sie Ihrem Chef oder Ihrer Chefin klar machen, dass Sie dringend mehr Lohn brauchen? Vielleicht damit: Ich biete Ihnen die Leistung eines Mercedes der D-Klasse, entlöhnt werde ich aber höchstens als wäre ich ein alter, kleiner, rostiger Golf. Wie wär›s, wenn ich wenigstens in die Smart-Klasse käme? Sie sehen, man kann diese Wortbildmethode wirklich für alle Lebensbereiche anwenden.

Tipp 4: Die meisten Missverständnisse entstehen, weil die Menschen sich nicht aussprechen.

Kommt Ihnen die folgende Situation bekannt vor? Die Mutter deckt den Tisch, der Vater liest gerade die Zeitung und Sohn und Tochter zappen durch die TV-Kanäle. Die Mutter sagt: «Es hat kein Mineralwasser mehr, kann jemand noch was aus dem Keller holen?» Zehn Minuten später hat es immer noch kein Mineralwasser. Die Mutter tobt: «Immer muss ich alles selber machen». «Was ist los», sagt der Sohnemann «du hast halt nichts gesagt.» Das ist eine harmlose Variante eines Kommunikationskonflikts. Viele Konflikte entstehen, weil die eine Person meint, die andere hätte sie verstanden. Und Frauen meinen dann oft auch noch, ihre Partner können Gedanken lesen. Aber an dieser Stelle möchte ich das ganz deutlich festhalten: Männer können keine Gedanken lesen – und die Gedanken von Frauen schon gar nicht. Also – sagen Sie was Sie sagen wollen und zwar klar und unmissverständlich – so dass Ihre Worte nicht interpretierbar sind. «Mann, hole bitte bis zum Nachtessen das Mineralwasser aus dem Keller. Es hat keines mehr.» Hier ist doch alles klar – wer, bis wann, was, woher und warum.

Tipp 5: Reden ist Silber – Schweigen ist Gold.

Selten ärgert mich ein Sprichwort so wie dieses. Wie oft hätten schon ein paar wenige Worte geholfen, völlig verworrene Situationen in ganz kurzer Zeit zu klären. Aber nein, man schweigt. Dieses Schweigespiel wird in unterschiedlichsten Situationen gespielt. In Partnerschaften wird mit verbaler Verweigerung oft der Anfang vom Ende eingeläutet. Im Beruf wird durch mangelnde Information Unsicherheit verbreitet und Fehler geradezu heraufbeschworen. Das Sprichwort müsste meiner Meinung nach gerade umgekehrt werden: Schweigen ist Schrott – Reden ist Gold. Zudem ist reden auch gesundheitsfördernd. Denn wer nichts in sich «hineinfrisst», lässt auch nichts im falschen Moment raus (siehe Tipp 1). Und an tiefen Gesundheitskosten sind wir ja alle interessiert.

Tipp 6: mmmh, äh, joooh, aha, jo nei ...

Wissen Sie, weshalb Frauen dazu neigen, eine Sache zwei, drei mal zu erzählen oder in irgendeiner Form zu wiederholen? Weil sie glauben, Männer hören ihnen nicht zu. Frauen unter sich wiederholen viel weniger. Weshalb? Weil Frauen nonverbale Gesprächsunterstützung leisten. Sie nicken, sagen «jo was», «aha» und so weiter. Damit signalisieren sie dem Gegenüber, dass sie auf Empfang sind, dass sie zuhören. Männer leisten diese Gesprächsunterstützung selten. Frauen haben dadurch das Gefühl, Männer hören nicht zu. Und deshalb muss man es diesen Männer halt nochmals sagen, und nochmals, und nochmals bis sie in irgendeiner Form reagieren. Meistens mit: «Wieso redest du nur immer soviel.» Also Männer, übt im Auto mal nonverbale Gesprächsunterstützung. Da kann euch niemand beim Training beobachten. Und Frauen, entzieht einmal beim Gespräch mit Männern diese nonverbale Gesprächsunterstützung. Ihr werdet staunen was passiert.

Tipp 7: Den Anfang eurer Rede habe ich vergessen und das Letzte nicht verstanden.

Bis jetzt gingen meine Tipps eher Richtung miteinander reden. An dieser Stelle möchte ich nun doch auch die VielrednerInnen thematisieren. Treffen sich zwei Menschen. Der eine redet und redet und redet – bis der andere seinen ganzen Mut zusammen nimmt und sagt: «Können wir nicht mal über mich reden?» «Gut», sagt der Vielredner, «reden wir über dich. Wie hat dir mein letztes Buch gefallen?» Diese Menschen betrachten ihre Gegenüber oft nur als Stichwortelieferanten. Kaum fällt das Wort «kalt» kann man sicher sein, dass jetzt eine Ausführung über die letzte Grippe, den ersten Schnee, die Klimaerwärmung schlechthin und das tägliche Vollbad mit Kamillenduft kommt. Solche Muster können fast nur auf zwei Wegen durchbrochen werden. Der erste ist der konstruktive, indem man die Person auf ihr Verhalten anspricht. Vielleicht spricht Ihr Gegenüber nur soviel, weil Sie nie etwas sagen. Beide Seiten sollten also an ihrem Kommunikationsmuster arbeiten. Allerdings darf man dann nicht erwarten, dass solche Verhalten von einem Tag auf den anderen verändert werden. Der zweite Weg liegt darin, dass man jegliche Art von nonverbaler Gesprächsunterstützung entzieht. Dies funktioniert vor allem bei Telefongesprächen sehr gut. Man gibt einfach keinen Ton mehr von sich und es dauert nicht lange bis die Person am anderen Ende der Leitung fragt: «Bist du noch dran?» Allerdings habe ich auch schon erlebt, dass Menschen auf gar nichts reagieren. Da hilft dann nur noch eines. Sich für das Gespräch bedanken und sofort den Abgang machen.

Tipp 8: Smalltalk öffnet manche Tür.

Vielleicht geht es Ihnen wie so manch anderen. Sie müssen smalltalken, aber das liegt Ihnen nicht. Egal ob im Zug, im Gespräch mit Nachbarn, im Büro oder auf Veranstaltungen: Locker vom Hocker zu plaudern fällt Ihnen schwer. Erst recht, wenn lauter unbekannte Personen da sind. Falls Sie sich also zu den untalentierten Smalltalkern zählen, helfen Ihnen vielleicht die folgenden zwei Anregungen.

Geben Sie selbst etwas von sich preis.

Wird Ihnen eine Frage gestellt, gehen Sie ruhig etwas ausschweifender darauf ein. Damit geben Sie Ihrem Gegenüber die Möglichkeit, aktiv hin zu hören und bieten einen «Haken» an, an dem ein Gesprächspartner aktiv anknüpfen kann.

Stellen Sie möglichst offene Fragen.

Eine alte Kommunikationsregel heisst: Wer frägt führt. Und für Smalltalk-Grufties könnte das heissen: Wer frägt, muss nicht reden. Stellen Sie dabei offen Fragen. Offene Fragen sind jene, auf die Ihr Gegenüber nicht mit «Ja» oder «Nein» antworten kann. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass ein flüssigeres Gespräch in Gang kommt, und Sie erfahren mehr von Ihrem Gesprächspartner. Zudem signalisieren Sie Interesse und Offenheit.
Rutscht Ihnen doch einmal eine «geschlossene Frage» raus, können Sie auf eine einsilbige Antwort immer noch nachhaken: «Inwiefern?» oder «Wie genau meinen Sie das?»

Tipp 9: Frauen reden anders – Männer auch.

Zugegeben, dass Frauen anders reden als Männer hat keinen News-Wert mehr. Trotzdem soll dies hier erwähnt sein – den eigentümlicherweise geht dieses Wissen immer wieder vergessen. Ich erlebe oft in Seminaren, dass dieses Thema unterschätzt wird. Teams meinen, dass sie in ihrem gemeinsamen Tun durchaus die unterschiedliche Sprachkultur berücksichtigen. Beim genauen Hinhören merke ich dann aber jeweils schnell, dass dem nicht so ist. Die alten Muster setzen sich immer wieder durch.

Für Männer ist es wichtig, Informationen zu vermitteln. Und Frauen wollen einen emotionalen Bezug her stellen und eine positive Gesprächsatmosphäre kreieren. Das miteinander Sprechen und das gegenseitige richtige Verstehen ist mit gleichgeschlechtlichen GesprächspartnerInnen einfacher. Man spricht ja die «gleiche Sprache». Wenn aber nun Männer und Frauen im Berufs-, Alltags-, Privat- oder Eheleben in Gesprächssituationen kommen, dann gibt es nicht selten Missverständnisse und erstaunliche Unterschiede zwischen dem was mit dem Gesagten ausgedrückt werden sollte und dem was verstanden wurde.

Frauen sprechen eine sehr persönliche Sprache, die Bindung, menschliche Nähe und die Akzeptanz des Gesprächspartners bzw. der Gesprächspartnerin sucht. Frauen lassen im Verlauf des Gesprächs oft persönliche Erlebnisse oder Erfahrungen einfließen, um so die Fremdheit und die Distanz zum Gegenüber zu überwinden.

Männern geht es im Gespräch primär um Informationen. Sie lassen weniger Emotionen zu und kommunizieren meist auf der Sachebene. Männer erachten es als weniger wichtig, und auch nicht unbedingt als nötig, eine emotionale Basis mit ihren Gegenübern aufzubauen. Zudem ist die Sprache der Männer oft stark statusorientiert. Sie denken häufig in Gewinner-Verlierer-Kategorien.

Frauen empfinden Männer als laut, dominant, aggressiv, einfacher, unterbrechen häufiger, emotionsloser, hierarchisch orientiert.

Männer empfinden Frauen als ausschweifend, emotional, langatmig, undifferenziert, unsicher, kompliziert.

Es gibt keine richtige und auch keine falsche Sprache. Es ist auch nicht nötig, dass Frauen anfangen wie Männer zu reden oder umgekehrt. Frauen sollten versuchen, in allen Bereichen der Gesellschaft präsent zu sein. Das ist der beste Weg ihre Sprache akzeptierter und verstandener zu machen. Männer sollten versuchen, mehr auf die weibliche Sprechweise zu achten und begreifen, dass die weibliche Ausdrucksweise kein Defizit ist, sondern nur «anders». Und Frauen könnten ihrerseits darauf achten, dass die männliche Sprache keine Kampfansage an den Rest der Welt ist, sondern nur «anders».

Tipp 10: Am Anfang war das Wort.

In der Bibel fällt mir immer wieder die schöpferische Kraft des Wortes auf. Das beginnt beim sogenannten Schöpfungsbericht. Gott spricht ... und darauf hin geschieht etwas. Oder später bei den vielen Geschichten die uns über Jesus überliefert sind. Jesus lässt allein durch die Kraft seiner Sprache Lahme gehen, Blinde sehen, Tote auferstehen. Seine Worte entlarven Pharisäer, ermutigen enttäuschte Frauen, heilen Schwiegermütter, trösten mutlose Zöllner und bringen es fertig, aus ein paar Fischen und Broten genug Nahrung zu multiplizieren, die für über 5000 Menschen reichen. Immer wieder hat mich diese schöpferische Kraft des Wortes fasziniert und inspiriert. Eines ist mir dabei besonders aufgefallen. Gott hat in uns Menschen die genau gleiche Kraft angelegt. Wir alle haben ebenfalls diese schöpferische Kraft in uns. Nur die Auswirkungen sind unterschiedlich. Nutzen wir dies schöpferische Kraft positiv, lösen wir eine konstruktive Wirkung aus. Nutzen wir die schöpferische Kraft negativ, lösen wie eine destruktive Wirkung aus. Wir sind also mit dem Gebrauch unserer Sprache nicht einfach nur positiv oder negativ – nein, wir sind konstruktiv oder destruktiv. Wir gestalten oder wir zerstören. So betrachtet lohnt es sich, mehr in die Entwicklung unserer täglich Kommunikation zu investieren. Sie begleitet uns ein Leben lang, länger als Eltern, Lehrer, Freunde, Partner oder Kolleginnen und Kollegen. Menschen kommen und gehen – unsere Kommunikation begleitet uns durchs ganze Leben.

© Verena Birchler

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