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Buchtipp

«Das Harmonie-Dilemma» – Jeder Konflikt verdient eine Chance.

von Verena Birchler
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Vom Winterschlaf zur Frühlingsmüdigkeit

Zur Zeit sind viele Menschen müde. «Bist du auch so müde»? ist eine oft gestellte Frage, die noch öfter mit einem gähnenden «Ja» beantwortet wird. Er ist wirklich hart, der Übergang vom Winterschlaf zur Frühjahrsmüdigkeit. Die Müdigkeit ist normal. Was viele nicht wissen, ist, dass sich regelmässig im Frühling und im Herbst der Stoffwechsel umstellt auf die warme, resp. kalte Jahreszeit. Und das ermüdet Körper und Geist. Nur nimmt leider die tägliche Arbeit und das soziale Umfeld keine Rücksicht auf diese Stoffwechsel-Umstellung. Und so kommt es, dass wir uns wünschen mit so viel neuer Motivation, so energiegeladen und vital an die täglichen Aufgaben und Herausforderungen heranzugehen wie nach einem gelungenen Urlaub. Oder nach einem zutiefst erholsamen und regenerativen Schlaf. Viele meinen, das könne nur ein frommer Wunschtraum bleiben und wer erfolgreich sein wolle, müsse praktisch ohne Unterlass «funktionieren». Doch es wird immer klarer, dass sich Kreativität und Effizienz nicht durch eiserne Disziplin erzwingen und ersetzen lassen. Pausen sind sinn- und wertvolle Investitionen. Und es gibt viele Gelegenheiten dazu.

Verbanne die Hektik aus deinem Leben

Im Buch «Das Leben nach dem du dich sehnst» des Theologen John Ortberg fand ich einige wertvolle Hinweise zum Umgang mit eigenen körperlichen Ressourcen und mit der uns zur Verfügung stehenden Zeit. Unter dem Stichwort «Das Tempo reduzieren» schrieb er folgende persönliche Erfahrung: «Ortberg sprach nach einem Umzug nach Chicago mit einem Freund über den hektischen Rhythmus in seinem Leben und über seine innere Verfassung. Und so fragte er seinen Freund: «Was muss ich tun, um aus diesem Kreislauf heraus zu kommen.» Sein Freund sagte lange nichts. Schliesslich sagte er: «Du musst konsequent deine Hektik aus deinem Leben verbannen.» «Okay», meinte Ortberg, «ich habe mir diesen Punkt notiert. Und was noch?» Sein Mentor meinte, «es gibt nichts anderes. Du muss einfach konsequent deine Hektik aus deinem Leben verbannen».

Das Buch ist überaus empfehlenswert. Nicht nur für jene, die mit Theologie etwas am Hut haben, sondern auch für jene, die ihrem Leben mehr Tiefe statt Tempo geben wollen. Wir alle leiden enorm an unserer Hektik. Eine der grossen Illusionen unserer Zeit ist, dass wir immer mehr Zeit gewinnen, wenn wir uns mehr beeilen. Ein Werbeslogan wirbt sogar mit dem Spruch: «Wir helfen Ihnen schneller zu sein». (Nein, die Werbung ist nicht von einem Dopingproduzenten). Ist es denn wirklich unser primäres Bedürfnis, schneller zu sein? In den letzten zwanzig Jahren ist das Leben unheimlich schnell geworden. Autobahnen helfen schnell ans Ziel zu kommen – auch wenn wir dabei oft im Stau stehen. Das Essen erledigen wir mit Fast-Food am Drive-In – auch wenn es nicht schmeckt. Und statt einer TV-Sendung schauen wir «zappen sei Dank» gleich fünf gleichzeitig – auch wenn wir danach keine Ahnung mehr haben, was wir gesehen haben. Trotz dieser Geschäftigkeit sind wir immer noch mehr bemüht, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen. Psychologen nennen dieses Phänomen «polyphasische Aktivität». Modern heisst das «Multi-Tasking». Wir könnten auch sagen: «Wir erledigen mehrere Dinge gleichzeitig» – aber das dauert zu lange. Das Auto ist wahrscheinlich der Ort, an dem am Meisten «Multi-Tasking»-mässig das Leben überladen wird. Hektische Menschen fahren, essen, trinken, hören Radio, rasieren oder schminken sich, telefonieren mit dem Handy und beschimpfen nebenbei noch die anderen Verkehrsteilnehmer – alles gleichzeitig.

Übrigens, einer der bekanntesten Menschen war nie in Hektik. Jesus Christus lebte zwar vor über 2000 Jahren, aber stressfreier war diese Zeit für ihn wohl kaum. Da waren rechthaberische Theologen die ihn provozierten, die römische Regierung, die ihm das Leben schwer machten und dann noch die vielen Menschen, die ganz persönliche Zuwendung von ihm wollten. Dabei hielten sie sich an keine Sprechstunden und Jesus hatte auch keine Vorzimmerdame, die unangenehmen Menschen von ihm fern hielt. Wenn ich in der Bibel die Geschichten über Jesus lese, staune ich wie oft er sich einfach zurück zog. Es heisst, dass er viel Zeit in der Meditation verbrachte, er sprach mit seinem Vater und schöpfte Kraft aus der Ruhe. Wir unterschätzen diese Kraft und wir überschätzen unsere eigene Kraft. Vielleicht sollten wir Menschen gerade in den nächsten Wochen unseren Energiehaushalt wieder ins Lot bringen. Vielleicht gibt es nicht nur einen körperlichen Stoffwechsel, vielleicht verlangt auch unser Geist danach.

Hier nun ein paar ganz praktische Tipps – ich wünsche Ihnen damit einen guten Übergang in den Frühling. Damit Sie wieder Kraft haben, all das Schöne zu sehen, was uns täglich geschenkt wird.

«Mehr desselben» funktioniert nicht

Dieses Prinzip ist nicht nur als Marketingstrategie gescheitert, sondern auch als Lebensmaxime. «Ich habe immer hart gearbeitet und bin deshalb erfolgreich gewesen. Also arbeite ich weiter hart.» Diese Art von Selbstausbeutung hat einen hohen Preis.

Ausgepowerte und überforderte Führungskräfte, Menschen aus den unterschiedlichsten Berufen mit Burnout-Syndrom, Demotivation und Erschöpfung, stressbedingte Krankheiten bis hin zur so genannten Managerkrankheit usw. begegnen uns täglich.

Besser: Das Prinzip «Abwechslung»

Das Prinzip «Mehr desselben» sollte durch Abwechslung ersetzt werden: Wechsel zwischen unterschiedlichen Tätigkeiten und ein Aufeinanderfolgen von aktiven und regenerativen Phasen. Wer sich selbst diese Freiräume nimmt, kann das eigene Wohlbefinden, Kreativität und Belastbarkeit enorm steigern. Die Rede ist hier keinesfalls von einem wochenlangen Urlaub, sondern von den vielen kleinen und grösseren Gelegenheiten, die sich ständig bieten und die man nur beim Schopf ergreifen muss. Nicht alle haben die Möglichkeit, ein paar Monate frei zu nehmen – deshalb hier ein paar kurze Tipps für ein kreatives Pausenmanagement.

6 Tipps für ein kreatives Pausenmanagement

1. Erzwungene Pausen für sich nutzen

Wer im Stau steht, im Zug festsitzt oder sonst wo durch die äusseren Umstände am Vorankommen gehindert wird, hat mehrere Möglichkeiten: sich über die erzwungene Pause zu ärgern und so den eigenen Stresspegel in die Höhe zu treiben, die Arbeitsunterlagen hervorzukramen und schnell schnell zu arbeiten, um nur ja keine Sekunde zu versäumen. Oder die Zeit zu nutzen, um in Ruhe über bestimmte Dinge nachzudenken, sich auf sich selbst zu konzentrieren, innerlich ausgeglichen zu werden und so Kraft zu schöpfen.

2. Regelmässige Erholungspausen einschieben

Wer kennt das nicht: man arbeitet und arbeitet, und ab einem bestimmten Zeitpunkt ist man total genervt, aggressiv und unleidlich. Es geht nichts mehr voran, Denk- und Kombinationsvermögen sind kaum mehr vorhanden, von Kreativität, Problemlösungen und Ideenreichtum ganz zu schweigen. Es dauert seine Zeit, um sich von diesen unangenehmen Phasen, die der Körper ab einer bestimmten Belastungsintensität einfach erzwingt, wieder zu erholen. Außerdem macht man in solchen Stimmungstiefs sehr leicht Fehler. Viele lassen sich in solchen Zeiten leichter zu unüberlegten Entscheidungen und aggressiven Äusserungen hinreißen. Die Folgen sind leider oft nicht mehr wieder gut zu machen. Lassen Sie es nicht so weit kommen und schieben Sie regelmässige Pausen ein, um sich zu erholen, neue Energien zu sammeln und so die negativen und oft langfristigen Folgen der Überlastung zu vermeiden. Ich nenne diese regelmässigen Pausen auch Zeitinseln. Diese können kurz oder länger sein, Hauptsache sie sind so ruhig und ohne weiteren Einflüsse, als wären Sie auf einer einsamen Insel auf der Sie sich einfach erholen können.

3. Ausreichend schlafen

Schlaf ist eine physiologische Notwendigkeit In diesen Stunden verarbeiten Sie Erlebnisse und Gelerntes und der Körper und Geist haben Gelegenheit sich zu regenerieren. Wer die Schlafphase als lästiges Übel und Zeitverschwendung sieht und auf ein absolutes Minimum reduziert, schadet sich erheblich. Schlafmangel senkt Konzentrationsfähigkeit, Belastbarkeit und die Fähigkeit klar und logisch zu denken deutlich. Als Folge davon sinken Aktivität und Effizienz. Wer versucht, dem Übel durch noch besseres Zeitmanagement und durch noch weniger Schlaf beizukommen, schafft einen perfekten Teufelskreis.

4. Immer mal tief durchatmen

Die Atmung steht in direktem Zusammenhang mit unserem körperlichen Wohlgefühl, unseren Stimmungen und dem Denkvermögen. Je stärker wir unter Druck stehen, um so flacher und weniger intensiv atmen wir. Als Folge davon werden Körper und Gehirn mit weniger Sauerstoff versorgt und Leistung und Produktivität sinken. Eine Pause von einigen Minuten einzulegen und tief und konzentriert durchzuatmen, möglichst am offenen Fenster oder am besten draussen an der frischen Luft, ist sehr erholsam und bringt Energien zurück. Wer sich dazu auch noch bewegt und zügig zwanzig Minuten marschiert, wird mit diesem Kurzprogramm viel von der ursprünglichen Energie zurück holen.

5. Routinearbeiten, um den Kopf freizubekommen

Hausarbeiten wie Putzen oder Bügeln werden oft als lästige Übel angesehen, die man zusätzlich zum vielen Stress am Arbeitsplatz auch noch erledigen muss. Wer sich mit solchen Gedanken und als Folge davon adrenalingeladen an die ungeliebte Arbeit macht, um sie so schnell wie möglich hinter sich zu bringen, erhöht seinen Stresspegel noch mehr. Man kann diese Art von Aufgaben auch als willkommene Tätigkeiten betrachten, da sie keine grossen Anforderungen stellen und so den Kopf freimachen für Gedanken und Überlegungen, zu denen man im Trubel des Alltags nicht kommt. Probieren Sie es aus und Sie werden staunen, wie kreativ man in solchen Situationen werden kann. Und wie gut man sich fühlt, wenn man Routinearbeiten nicht als reine Zeitverschwendung betrachtet! Ich mache das auch gerne im Büro. Wenn ich gar nicht mehr denken kann, biete ich im Service-Center für eine Viertelstunde meine Hilfe als Hilfskraft zum Couvert einpacken an. Oder ich putze mein Pult. Das Lachen und die damit verbundene Bewegung macht mich wieder frisch und anschliessend bin ich wieder frei für «Denkarbeit».

6. Arbeitsunterbrechungen nutzen, um sich zu regenerieren

Wie viele Leute haben es sich zur Gewohnheit gemacht, die Pausen während einer Sitzung am eigenen Schreibtisch zu verbringen, hektisch Emails zu lesen oder ein paar Telefonate zu erledigen. Die Folge davon ist, dass weder die Besprechung noch die Arbeiten zwischendurch mit voller Aufmerksamkeit und Energie erledigt werden können. Diese Art von Stressbelastung lässt sich vermeiden. Nutzen Sie die Pausen, um sich zu erholen, um für die bevorstehenden Anstrengungen gewappnet zu sein und Ihre Ressourcen gewinnbringend einsetzen zu können. Kreativität und die Fähigkeit, nach immer neuen Lösungen zu suchen und sie auch zu finden, sind wesentliche Voraussetzungen für den beruflichen Erfolg. Wer sich nur auspowert ohne sich regelmäßig zu regenerieren, riskiert auf Dauer, diese Fähigkeiten. Oft bleiben solche Menschen dann nur noch bei den Problemen stehen und haben keine Kraft mehr Lösungen zu sehen, selbst wenn sie vor der Nase liegen.

© Verena Birchler

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