«U2»-Star Bono: «Christen müssen mehr tun»

Bono, der Sänger der irischen Rockband U2, hat Christen dazu aufgerufen, sich vermehrt im Kampf gegen Armut und AIDS zu engagieren. «Das Gebot von Jesus Christus, Liebe deinen Nächsten ist keine Ratschlag, sondern ein Befehl», sagte der Sänger in einem Interview mit Bill Hybels, dem Gründender Willow Creek Community Church bei Chicago. Das Gespräch mit Bono wurde im Rahmen des Willow-Leitungskongresses in Bremen ausgestrahlt. Bono gibt darin einen beeindruckenden Einblick in seine Vorstellung von Glauben.

Zugleich zeigte sich Bono gut informiert über den biblischen Befund in Sachen Armut und Gerechtigkeit: «In 2003 Versen der Bibel geht es um die Armen. Nur persönliche Lösung und Rettung kommen öfter vor. Primäres Anliegen der Bibel ist es, durch die Arbeit mit Armen und Benachteiligten Christus zu begegnen.» Besonders verstärkte er die herausfordernde Rede Jesu in Matthäus 25: «Gebt ihnen zu essen, sagt Jesus. Das ist ernst gemeint! Das entscheidet, ob du Teil es Reiches Gottes bist oder nicht! »

Kein Problem mit Christus, aber mit Christen

Hybels steht seit mehreren Jahren in Kontakt zu U2-Sänger Bono. Durch ihn sei er neu auf die Verantwortung der Christen für die Armen und AIDS-Kranken aufmerksam geworden. «Alle 24 Stunden sterben heute 8.000 Menschen an AIDS, 11.000 infizieren sich neu mit dem HIV-Virus, im Jahr 2010 wird es weltweit 150 Millionen HIV-Infizierte geben», so Hybels. Bono kritisierte im Interview das bisherige Engagement der Kirche weltweit: „Ich hatte noch nie Probleme mit Christus, mit den Christen allerdings schon. Wenn möglich, habe ich sie gemieden. Ich fand sie immer völlig uninteressiert an Kultur oder Politik. Richtig entspannt sein konnte man bei ihnen auch nicht. Sie kamen mir merkwürdig vor. Christen können sehr verurteilend sein, besonders, wenn es ums Aussehen geht. Sexuelle Unmoral war von jeher Thema der Kirche. Aber die Habgier von Unternehmen oder ähnlichen Themen wird nicht angesprochen.»

Für Bono ist klar, dass die Kirche sich intensiver mit der Not der Welt befassen muss: «Historisch gesehen war die christliche Gemeinde schon immer Schlusslicht. Das erstaunt mich. Ob es um Bürgerrechte ging, um den Kampf gegen Rassismus in den 50er und 60er Jahren im Süden der USA oder um die Apartheid in Afrika. Warum ist dies so? Weil sie Angst hat vor der Politik! Das verstehe ich auch. Viele gefährliche Leute versucht haben, die Kirche für politische Zwecke zu benutzen. Ich verstehe, warum Christen deshalb eher immer zurückhaltend sind … Aber Christus lässt nicht zu, dass die Gemeinde sich von der AIDS-Krise abwendet, nur weil es schwierig ist, teuer und moralisch gefährlich.»

Mittlerweile hat Hybels das weltweite Engagement gegen Armut und Krankheit zu einem wichtigen Bereich in seiner Kirche gemacht und eine Initiative für den Kampf gegen AIDS gestartet. Bono hat das mittlerweile registriert: «Es geschah etwas Erstaunliches. Die Kirche wachte auf, organisierte sich, bewegte etwas auf diesem Gebiet! Das hat mein ganzes Denken auf den Kopf gestellt! Jetzt empfinde ich grossen Respekt vor der Kirche! »

© Verena Birchler

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