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Freiwilligenarbeit in der Schweiz

Als freiwilliges Engagement wird jede Aktivität verstanden, für die ohne Gegenleistung
Zeit oder Geld aufgewendet wird, um einer Person, einer Gruppe oder einer Organisation zu nützen.

Zahlen und Fakten

  • Rund 1,5 Millionen Frauen und Männer engagieren sich in einem Verein bzw. einer Organisation, rund 700 000 sind dort ehrenamtlich tätig.
  • Diese Personen arbeiten monatlichdurchschnittlich 13 Stunden unentgeltlich für ihren Verein.
  • 41% der über 14-Jährigen sind in irgendeiner Form freiwillig tätig.
  • 14% übernehmen in Organisationen und Vereinen gratis Führungsaufgaben.
  • 14% verrichten Basisarbeiten für Organisationen oder Vereine.
  • Je höher der Bildungsgrad, desto höher die Wahrscheinlichkeit eines ehrenamtlichen Engagements in leitender Position.
  • Je ländlicher die Wohngegend, desto mehr Freiwilligenarbeit (Stadt 35%, Agglomeration 41%, Land 46%)

Freiwilligenarbeit, schwarz auf weiss

Ob im Altersheim, in der Kirche oder im Sportverein: Überall braucht es Menschen, die ihre Zeit investieren. Menschen, die wertvolle Arbeit leisten, indem sie einen Teil ihrer Freizeit opfern und anderen Menschen helfen – und dies freiwillig und ohne einen Lohn zu erhalten. Ihre Motivation ist die Freude, den Nächsten zu unterstützen.

Freiwilligenarbeit ist ein wichtiger gesellschaftlicher Beitrag für Mitmenschen und Umwelt. Viele ehrenamtliche Arbeiten werden von der Gesellschaft aber nicht bewusst wahrgenommen oder nicht als wertvoll an erkannt. Dabei erledigen die Freiwilligen Arbeiten, die für die Gesellschaft von grossem Wert sind: Sie tätigen Einkäufe für Betagte, leisten Aufgabenhilfe für lernschwache Schüler, leiten einen Sportverein, begleiten ältere Menschen bei Spaziergängen, fahren kranke oder behinderte Menschen zum Arzt oder zur Therapie, leiten Jugendlager oder organisieren Freizeitprogramme für Kinder und Jugendliche. Es sind also nicht wenige, die sich mit viel Herzblut und aus freien Stücken engagieren: Laut einer Statistik aus dem Jahr 2004 setzt sich ein Viertel der in der Schweiz wohnhaften Bevölkerung in einer Organisation oder einem Verband freiwillig ein. Dies entsprach damals rund 1,5 Millionen Menschen.

Die Kirche lebt von freiwilligen Helfern
Gerade für Sportvereine oder Kirchen wird viel Freiwilligenarbeit geleistet. Man stelle sich einmal eine Kirche ohne die vielen freiwilligen Mitarbeiter vor: Wer würde das Kinderprogramm am Sonntagmorgen leiten, den Seniorentreff organisieren oder für das leibliche Wohl nach dem Gottesdienst sorgen? Und wer wäre darum bemüht, dass die Jugendlichen einen Ort haben, an dem sie begleitet, gefördert und in ihren alltäglichen Problemen unterstützt werden? Ohne Freiwillige wäre das Angebot in jeder Kirchgemeinde viel dünner gesät, da der Pfarrer nicht alle Arbeiten übernehmen kann. So wäre der Gottesdienst nicht abwechslungsreich gestaltet, es gäbe möglicherweise keinen  Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst und niemand, der sich um die neuen Besucher kümmern würde. Ohne Freiwillige wäre unsere Gesellschaft um viele gemeinnützige, wertvolle Dienste ärmer. Oder die Angebote wären teurer, da man die Mitarbeiter bezahlten müsste.

Freiwilligenarbeit verdient Sichtbarkeit und Anerkennung
Das «Forum Freiwilligenarbeit» hat sich zum Ziel gesetzt, ehrenamtliche Arbeit wertzuschätzen und zu fördern. Das Forum ist ein gemeinnütziger, konfessionell neutraler und politisch unabhängiger Verein. Ihm gehören Mitglied-Organisationen aus den Bereichen Soziales, Kirche, Jugend, Alter, Umwelt, Sport und Wissenschaft an. Für den Verein ist klar: Freiwilligenarbeit soll sichtbar und anerkannt sein, sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Politik und der Wirtschaft. Denn auch diese Art von Arbeit qualifiziert Menschen. Sie ermöglicht zahlreiche Lernerfahrungen und bringt neue Fähigkeiten hervor. Wer beispielsweise einen Sportverein leitet, eignet sich nicht nur Wissen und Können in einer Sportart an, sondern gewinnt auch Sicherheit und Routine im Unterrichten und macht wichtige Erfahrungen im Umgang mit Menschen. Dies sind  Kompetenzen, die für die berufliche Zukunft oder einen Wiedereinstieg ins Berufsleben von grosser Bedeutung sein können.

Ausweis dokumentiert freiwilliges Engagement
Doch was bringen alle diese gesammelten Erfahrungen und Kompetenzen, wenn sie nicht gewürdigt werden und nicht nachweisbar sind? Um diesem Missstand entgegenzuwirken, stellt das Forum Freiwilligenarbeit seit 2001 den Sozialzeitausweis aus. Er macht die ehrenamtliche Arbeit sichtbar, dokumentiert das unentgeltlich geleistete Engagement und dient als Nachweis. Dadurch wird die Freiwilligenarbeit aufgewertet und mit bezahlter Arbeit vergleichbar. Ausserdem ist der Ausweis eine Form der Anerkennung. Ob Jugendliche, Mütter oder ältere Menschen: Unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen können so Nutzen aus dem Sozialzeitausweis ziehen. Wer freiwillige, unbezahlte Arbeit in irgendeiner Form verrichtet und den Sozialzeitausweis nicht automatisch vom Verein bekommt, kann ihn beim Forum Freiwilligenarbeit bestellen und bezahlt dafür fünf Franken. Der Ausweis ist zeitlich unbeschränkt gültig und kann jederzeit erweitert werden. Wer beispielsweise zuerst bei einem Sportverein Leiter war, danach einem Schüler Aufgabenhilfe anbot und später Besuchsdienste im Altersheim verrichtete, kann alle diese Tätigkeiten in seinem Ausweis eintragen lassen. Auch Jahre  später kann ein Eintrag angefordert werden, sofern sich eine Kontaktperson noch an den Einsatz erinnern kann.

Die Verantwortung für den Inhalt eines Nachweises hat, ähnlich wie beim Arbeitszeugnis der Arbeitgeber, einzig die Einsatzorganisation, also beispielsweise die Kirchgemeinde, der Sportverein oder das Altersheim. Für ausgefüllte und unterzeichnete Nachweise gibt es keine «Prüfstelle». Ausserdem gibt es für den Sozialzeitausweis keine rechtliche Grundlage, da es sich bei Freiwilligenarbeit nicht um ein Arbeitsverhältnis nach OR handelt, sondern um ein Auftragsverhältnis. Es besteht weder ein gesetzliches Recht für Freiwillige noch eine gesetzliche Pflicht für Einsatzorganisationen einen solchen Ausweis auszustellen.

Auch Vereine und Organisationen haben ihren Nutzen
Wenn Vereine, Organisationen, Verbände oder Kirchgemeinden ihren Mitarbeitern Sozialzeitausweise ausstellen, beweisen sie damit, dass ihnen die Freiwilligen wichtig sind. Sie geben ihnen eine Referenz und anerkennen damit ihre Arbeit. Der Sozialzeitausweis kann auch andere Vereinsmitglieder oder Mitarbeiter dazu motivieren, sich aktiv zu engagieren.

Dass ein Bedürfnis besteht, unentgeltliche Einsätze bestätigen zu lassen, zeigt die Verkaufszahl des Ausweises: Seit seinem Erscheinen wurde er rund 300 000 Mal verkauft. Zu den grössten Bezügerinnen gehören Organisationen, Verbände, Sportvereine, Kirchgemeinden, politische Gemeinden, aber auch viele Privatpersonen. Das Forum Freiwilligenarbeit wünscht sich aber eine grössere Bekanntheit des Sozialzeitausweises. Denn viele Freiwillige, die sich mit viel Herzblut und Engagement einsetzen, wissen noch gar nichts von diesem Ausweis, welcher ihren wertvollen Einsatz dokumentiert und ihr Engagement würdigt.

(Quelle: Medienmagazin antenne)

 
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